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„Made in Worms“ steht nicht auf dem unscheinbaren gedruckten Büchlein, das 1526 die Druckwerkstatt von Peter Schöffer dem Jüngeren verlässt. Tatsächlich hat sich dieser dort nicht einmal selbst genannt, genauso wenig wie der Verfasser, William Tyndale. Und doch wird dieses Werk die englische Kirche und deren Reformation beeinflussen und in der englischen Sprache noch jahrhundertelang nachhallen: Es ist die erste Übersetzung des Neuen Testaments aus dem griechischen Originaltext in die englische Sprache. Lange war die Zuordnung zu Peter Schöffers Druckwerkstatt in Worms nicht eindeutig – erst ein in Stuttgart entdecktes vollständiges Exemplar ermöglichte es, zweifelsfrei zu zeigen: So wie Luthers Auftritt in Worms 1521 die deutsche Reformation prägte, so war Worms als Druckort und Sammelpunkt für neue Ideen ein Wegbereiter für die englische Reformation.
Doch wer war William Tyndale, der ambitionierte Übersetzer, dessen Vision einer allgemeinverständlichen Bibel ihn zu einem Verfolgten machte und quer durch Europa führte? Warum bot ein Wormser Drucker, Peter Schöffer, ihm die Möglichkeit zur Verbreitung seiner Ideen, obwohl der Arm der englischen Zensur auch bis auf den Kontinent reichte? Warum ließen die Untergebenen König Heinrichs VIII. Tyndale schließlich öffentlich hinrichten, obwohl der König wenige Jahre darauf doch selbst eine englische Bibelübersetzung in Auftrag gab? Und wie wirkten Tyndales Übersetzung und Ideen dennoch bis weit über seinen Tod hinaus?
Die Ausstellung im Museum der Stadt Worms im Andreasstift geht all diesen Fragen nach und widmet sich nach den Ausstellungen zu Luther in Worms 2021 und zum Bauernkrieg 2025 einem weiteren einschneidenden Ereignis aus dem turbulenten Zeitalter der Reformation. Es ist die Geschichte eines skrupellosen Königs, eines idealistischen Theologen, eines geschäftstüchtigen Druckers und eines unscheinbaren Buches, das dennoch die englische Zensur auf Hochtouren brachte. Dieses Buch, das weltweit einzige vollständig erhaltene Exemplar der Erstausgabe, ist nun in Worms zu sehen – und kehrt damit nach 500 Jahren an seinen Entstehungsort zurück. Begleitet wird es von wertvollen Drucken und weiteren Exponaten aus der Zeit, die Tyndales Weg nachzeichnen und zugleich die enorme Bedeutung der Zugänglichkeit von Wissen nahebringen – ein bis heute aktuelles Thema.
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