Kreuzgang

Umbau- und Sanierungsmaßnahmen

Seit 2007 wird das Museum sukzessive umfassend saniert, umgebaut und fit für die Zukunft gemacht; seit Januar 2019 ist es deshalb für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Wiedereröffnung findet am 3. Juli 2021 statt. Auf dieser Seite informieren wir über die umfangreichen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen, hier über die Stifter & Förderer, die das alles erst ermöglicht haben.

Bereits 2006 stand mit ersten Untersuchungen der Bauforschung und der Tragwerksplanung fest, dass dringend weitergehende Untersuchungen begonnen und substanzerhaltenden Maßnahmen ergriffen werden müssen. Umfangreiche Risssysteme mit unterschiedlichen Ursachen, zerfallende Gesteinsoberflächen, erodierte Dachdeckungsmaterialien und Putzflächen führten zu einem langfristig angelegten Plan zur Restaurierung des 1000 Jahre alten Andreasstifts.


Baustellenrundgänge

Der Altertumsverein Worms e. V. hat bereits zwei Videos zum jeweils aktuellen Stand der Umbau- und Sanierungsmaßnahmen erstellt: 

Juni 2020: Führung durch die neuen Kreuzgangflügel des Andreasstifts Worms mit Architekt Jürgen Hamm.

März 2021: Im zweiten Video stellen Architekt Jürgen Hamm und Ulrike Breitwieser vom Städtischen Museum in einem Rundgang mit Dr. Burkard Keilmann, dem Vorsitzenden des Altertumsvereins, und seinem Vorgänger Dr. Josef Mattes die neugestalteten Räumlichkeiten des Städtischen Museums vor.

 

Chronologie der Sanierung und des Umbaus des Andreasstifts

2017-2021 / Konstruktion der Kreuzgangflügel und Innenausbau

Andreasstift mit Dom von der Neusatzschule (Foto: Füller, 20. Mai 1952; Quelle: Stadtarchiv Worms, Signatur: M06214) 
Andreasstift mit Dom von der Neusatzschule (Foto: Füller, 20. Mai 1952; Quelle: Stadtarchiv Worms, Signatur: M06214)

Untersuchungen und Entwürfe

Parallel zu den Restaurierungsmaßnahmen wurden seit 2009 Planungen zur Nutzung des Museums unternommen. Die Planungen beleuchteten die Nutzungsanforderungen des Museums aus verschiedenen Aspekten und begannen mit einer Gesamtschau, in der alle Aufgaben insgesamt gelöst werden sollten. Betrachtet wurden hier insbesondere Erschließung und die wissenschaftlichtechnischen und konservatorischen Bereiche, an denen es dem Museum zurzeit konkret mangelt. Auch sind nur provisorische Magazinflächen - und diese auch nur in geringem Maße - vorhanden.

Rekonstruktion Kreuzgänge

Aus der großen Anzahl der untersuchten Varianten hatte sich auch aus Anlass der bevorstehenden Ausstellung zur Causa Lutheri 1521 im Jahr 2021 eine kompakte Erweiterung der Flächen herauskristallisiert, die auf Anregung der oberen Denkmalbehörde durch einen Rekonstruktion der beiden verlorenen Kreuzgangflügel nach Nord und nach Osten – zur Andreaskirche und zum ehemaligen Kapitelsaal – erreicht werden konnte.

 

Spende

Die Initiative für den Bau der Kreuzgangflügel ging dann aber letztlich von der großzügigen Spende von Ilse Lang aus, die die Kosten der Ausführung der beiden Räume vollständig getragen hat. Durch diesen Anschub konnte auch die Stadt aktiv werden und das weitere Erdgeschoss in die Planung nehmen.

Planungen und Grabungen

Die konkreten Planungen begannen 2017 mit dem Bauantrag, parallel dazu wurden archäologische Untersuchungen begonnen. Wider Erwarten konnten noch vollständige Fundamentzüge der historischen Kreuzgangflügel ergraben
werden, dazu fanden sich orientierte Gräber innerhalb und außerhalb der Kreuzgangflügel, die ebenfalls ein Beleg für die bisher nur auf historischen Abbildungen vermutete Existenz dieser formierenden Teile der Stiftsanlage.

Ausführung

Durch eine Planänderung konnten Gräber und Fundamente in ihrem Bestand erhalten und mussten nicht zerstört werden. Sie befinden sich noch in Situ und sind für spätere Forschergenerationen nach wie vor vorhanden. Bank und Boden liegen so auf den Befunden, dass sie in andere Zeiten wieder abgenommen werden könnten. Nach den Grabungsarbeiten, die bis in den Herbst andauerten, konnten die Bauarbeiten Zug um Zug fortschreiten: das Richtfest für die Kreuzgänge konnte im Dezember 2018 gefeiert werden, der Ausbau war im Sommer 2020 abgeschlossen, die technische Ausrüstung im Herbst 2020.

Im Jahr 2020 ergänzen die beiden rekonstruierten Kreuzgangflügel das Andreasstift (Foto: C. Weissert) 
Im Jahr 2020 ergänzen die beiden rekonstruierten Kreuzgangflügel das Andreasstift (Foto: C. Weissert)
 
Der Kreuzhof wurde auf der Grundlage bauzeitlicher Maßsysteme neu gefasst und erscheint nun wieder als der kontemplative Ort, der ihm in der Stiftsanlage zugewiesen wurde. (Foto: S. Debus) 
Der Kreuzhof wurde auf der Grundlage bauzeitlicher Maßsysteme neu gefasst und erscheint nun wieder als der kontemplative Ort, der ihm in der Stiftsanlage zugewiesen wurde. (Foto: S. Debus)
Die neuen Kreuzgangflügel erweitern die Ausstellungsfläche. (Foto: C. Weissert) 
Die neuen Kreuzgangflügel erweitern die Ausstellungsfläche. (Foto: C. Weissert)

Stiftsflügel

Schon im Zuge der Arbeiten an den neuen Kreuzgangflügeln stellte sich heraus, dass die vorhandenen Räumlichkeiten der Stiftsflügel erweitert und instandgesetzt werden müssen, um den Anforderungen an die geplante Ausstellung gerecht zu werden.

Altertumsvereinszimmer und das Turmzimmer

Die ehemaligen Verwaltungsräume sind an ein Lüftungssystem angeschlossen, das variabel durch Klima und Feuchtekontrollgeräte ergänzt werden kann. Licht und Technik wurden erneuert und erhielten neue Fassungen, die ihrer gegenwärtigen Funktion angemessen sind.

Kirchenraum

Im Kirchenraum erhält die Beleuchtungsanlage ebenfalls eine technische Neufassung. Gleiches gilt für die Versorgung mit Strom und Medien. Weitere Arbeiten müssen einer späteren Bauphase ausgeführt werden.

Alte Kreuzgangflügel

Die alten Kreuzgangflügel sind ebenfalls technisch aufgerüstet und mit einem Windschutz versehen. Ihr Funktionsspektrum hat sich dadurch erheblich erweitert.

 

2015 & 2016 / Kreuzhofwände

Die Fassaden und Dächer der Stiftsgebäude und der Andreaskirche um den Kreuzhof wurden in einem gemeinsamen zweijährigen Bauabschnitt parallel mit der Gartenhoffassade des Ostflügels der Stiftsgebäude restauriert und instandgesetzt.

Die abweichende Putzfassung ergab sich aus der Befundsituation, die eine andere Putzausführung – Rapputz – und eine andere Farbigkeit – rötliche Pigmentierung – nachweisen konnte. Wieder in parallelen Abschnitten wurde die Westfassade zum Andreastor und die Ostseite der Andreaskirche ausgeführt – die Westseite nach dem Farbkonzept
der inneren Stiftsflügel, die Ostseite nach dem Konzept der Andreaskirche.

Die Arbeiten an der Hülle des Andreasstifts konnten im Jahr 2017 nach zehnjähriger Bauzeit abgeschlossen werden. Die Fassaden wurden nach einem gemeinsam mit der Denkmalpflege und den begleitenden Ingenieuren und Instituten
erarbeiteten Konzept soweit instandgesetzt, dass eine denkmalverträgliche, aber auch dauerhafte Lösung erreicht wurde.

2013 & 2014 / Südturm und Christoffelturm

Arbeiten am Südturm wurden in einem zweijährigen Bauprozess durchgeführt, die Arbeiten am Christoffelturm in einem parallelen Abschnitt. Mit dem Abschluss der Arbeiten, die dem gleichen Bauprogramm folgten, dass schon an
der Stadtmauer und dem Nordturm erarbeitet werden konnte, war die Arbeit an den Türmen des Andreasstifts abgeschlossen.

2012 / Stadtmauer

Noch im Jahr 2012 konnten die Arbeiten an der Südseite der Stadtmauer beginnen. Eine gründliche zeichnerische Aufnahme der Flächen ging den Baumaßnahmen voraus. Daraus ließen sich Verformungen erkennen, die zu verstärkten Ertüchtigung des Wandquerschnitts führten: fast 12 Tonnen Mörtelsuspension mussten in das disparate Gefüge der Stadtmauer eingefüllt werden, um die Wandflächen zu stabilisieren, außerdem noch ca. 150m Edelstahlanker, die sich ablösende Wandschichten wieder verbanden.

2011 / Nordseite

An die Restaurierung des Nordturms schlossen sich die Arbeiten an der Nordseite mit Dächern, Obergaden- und Seitenschiffwänden an. Ein äquivalentes Programm zum Nordturm konnte auf Basis der dort gewonnen Erkenntnisse
umgesetzt werden.

Die aufwändigen statischen Sicherungen mit in den Wänden liegenden Spannankern konnten auf Grundlage der Erkenntnisse aus dem Monitoring der Turmbewegungen auf ein Mindestmaß reduziert werden.

2009 & 2010 / Nordturm

In den Jahren Jahr 2009 und 2010 wurden die Arbeiten mit der Restaurierung des Nordturms fortgesetzt. Auch hier herrschte akuter Handlungsbedarf, da sich aus den freiliegenden Bruchsteinflächen immer wieder Steinpartien ablösten und zu Boden stürzten. Darüber hinaus waren am Turm Teile der Risssysteme zu erkennen, die im Zusammenhang ein Gesamtschadensbild ergaben: Durch Aushubarbeiten an den Kanälen vor den Türmen wurden deren Fundamente untergraben. Setzungen ließen die Türme in die Stelzengasse kippen, ihr Verbund mit den Obergaden- und Seitenschiffwänden führte auch dort zu Rissbildungen.

Langwierige Messungen konnten jedoch glücklicherweise bestätigen, dass die Setzungsbewegung in die Stelzengasse abgeschlossen ist. Danach wurden umfangreiche Maßnahmen ergriffen: Die Mauerquerschnitt wurde durch Verfüllung
mit einer Kalksuspension stabilisiert, die Risse wurden durch umlaufende Spannstähle gesichert, der hohle Turmschaft durch stabile Holzdecken in feste Kompartimente unterteilt.

Die Beschäftigung mit dem Umgang mit den Wandoberflächen beanspruchte neben den technischen Fragestellungen den meisten Raum: Die Entscheidung der ersten Instandsetzung, die Türme mit Bruchsteinfassaden erscheinen zu lassen, trug nicht der bauzeitlichen Konstruktion Rechnung. Man hatte sich vor 800 Jahren entschlossen, einfache Feld- und Lessteine, gemischt mit kleinen Quadern zu einer seinerzeit üblichen Fügung zu verbinden. Die Steine wurden
gegen ihre natürliche Lagerung verbaut – auch in dem Bewusstsein, dass die Fläche mit einer schützenden Putzhaut überzogen werden. Die romantische Vorstellung einer ruinösen Erscheinung trug also letztendlich zu einem verstärkten
Zerfall der Oberflächen und abstürzenden Steinpartien bei.

Der Entschluss, die Flächen wieder zu verputzen, war maßgebend für die weiteren Wandflächen des gesamten Stifts. Trotz dem Fund einer Oberflächenfassung – ein kräftiges Orangerot – wurde diese oberste Gestaltungsschicht – quasi als Non Finito – nicht ausgeführt.

2008 / Hauptschiffgewölbe und Nordportal

Im Jahr 2008 wurde dann das Hauptschiffgewölbe ertüchtigt. Im Dach wurde ein Mischplatz eingerichtet, um den Weg vom frisch hergestellten Mörtel zum Einbauort so kurz wie möglich zu halten. Im Kirchenraum wurde ein Stützgerüst
eingebaut, um die Gewölbeflächen kontinuierlich unterfangen zu können.

Danach wurden die zerfallenen und losen Gewölbeoberflächen von Hand abgetragen, die so entstandenen rauen Schalenflächen Zug um Zug mit einem Kontaktmörtel geschlämmt und mit dem Bimsmörtel fugenlos ca. 10cm dick
überzogen. Um ein Abscheren zwischen alter und neuer Schale zu verhindern, wurden zusätzlich regelmäßig Schubdübel eingesetzt.

Nach dem Abbinden konnte die Unterfangung abgebaut, die Risse in den Unterseiten verschlossen und die gesamte Fläche neu gefasst werden. Parallel zu den Arbeiten im Inneren wurde das Nordportal restauriert. Undichtigkeiten an seiner Überdachung hatten seit dem Wiederaufbau nach 1945 zu starkem Zerfall am wertvollen bauzeitlichen Schmuckfries unterhalb der Traufe geführt. Bilder aus der Vorkriegszeit ließen noch die Formen erkennen sodass ein Austausch des fast vollständig erodierten Frieses beschlossen wurde. Die ausgebauten Stücke wurden im Museum gesichert und auf zwei neuen Friesen von einem Bildhauer anhand historischer Aufnahmen die Oberflächen rekonstruiert.

2007 / Dachstuhl, Hauptschiff und Vorarbeiten

Im Jahr 2007 begannen die Arbeiten an den Gewölben des Hauptschiffes, die einsturzgefährdet waren. Schäden von den Bombenangriffen und der Witterung, die nach dem Verlust des Daches ungehindert die dünnen Gewölbeschalen angreifen konnte, mussten unverzüglich beseitigt werden, da nur noch die Hälfte ihrer tragfähigen Materialdicke vorhanden war.

Mit Musterflächen sollte ein Verfahren gefunden werden, mit dem der Gefahr begegnet werden konnte. Durch Materialproben und Rezeptierungen konnte ein Ergänzungsmörtel gefunden werden, der sich mit den Ende der 1920er Jahre verwendeten kleinformatigen Gewölbesteinen aus Bims lückenlos verband. Zur Entlastung der Obergaden musste zusätzlich die Stahldachkonstruktion der Nachkriegszeit so ertüchtigt werden, dass aus ihr kein Schubkrafteintrag mehr in die Hochwände erfolgte. Das stählerne Sprengwerk der Nachkriegszeit erhielt dazu Zugbänder und Wechselkonstruktionen, die aufwändig über Abfangungen in den Dachstuhl eingebracht werden mussten.


Weitere Impressionen zur Entwicklung des Andreasstiftes finden Sie in unserer Bildergalerie sowie in der Geschichte des Museums.

FSJ Kultur im Museum der Stadt Worms im Andreasstift

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