WORMS STÜCK FÜR STÜCK

In unserer Reihe „Worms Stück für Stück“ – wird jeden Monat ein Objekt aus unserem Museum im Andreasstift vorgestellt, das eine besondere Geschichte zu erzählen hat.

Katzenschwanz aus dem Andreasstift

Es war ein grausiger Fund, der im Jahr 2010 bei den Restaurierungsarbeiten des Nordturms unserer Andreaskirche gemacht wurde: Ein Katzenschwanz aus dem Mittelalter steckte im Mörtel zwischen den Steinen. Hier handelt es sich wohl um ein sogenanntes „Bauopfer“, also die gezielte Deponierung eines Gegenstands oder Lebewesens in einem Gebäude, um Böses fernzuhalten oder Glück zu bringen. Dieser Brauch wurde seit der Jungsteinzeit immer wieder praktiziert, hier in Deutschland sogar noch bis ins 19. Jahrhundert.

Dabei mauerte man oft Katzen ein, teils sogar lebendig, da diese im Volksglauben mit Hexen und bösen Geistern verbunden wurden. Daher waren sie als tatsächliche Haustiere eher unüblich und wurden als Unglück bringend beargwöhnt – gehalten hat sich davon der Glaube, schwarze Katzen würden Pech bringen. Angeblich sollten sich Hexen sogar selbst in Katzen verwandeln können, man hoffte also vielleicht, dass eine vorbeikommende Hexe ihre tote „Kollegin“ bemerkte und sich vom Haus fernhielt. Auch vor Kirchen machte man nicht halt: Aus Goslar berichten die Gebrüder Grimm die Geschichte eines vom Teufel gerissenen Lochs in der Kirchenmauer, das nur wieder geschlossen werden konnte, indem man dort eine schwarze Katze einmauerte. Im Aargau soll sogar eine Katze von einem neugebauten Kirchturm geworfen worden sein. Hier in Worms war der Schwanz wohl sinnbildlich als Stellvertretung für die ganze Katze eingemauert worden.

Daneben finden sich auch noch andere Bauopfer in Häusern, wie Pflanzen oder Lebensmittel, die Füße von Ziegenböcken oder Särge mit Puppen – vielleicht als Stellvertreter für Menschenopfer. Am häufigsten sind aber Münzen belegt, die sich als Teil von Grundsteinlegungen sogar bis in unsere Zeit gehalten haben.

Mehr zur Geschichte des Andreasstifts findet ihr in unserer Dauerausstellung, wo ihr auch den Katzenschwanz und ein weiteres, moderneres „Bauopfer“ ansehen könnt.

Katzenschwanz aus dem Andreasstift (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Claudia Weissert) 
Katzenschwanz aus dem Andreasstift
(Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Claudia Weissert)

Christlicher Becher aus Wiesoppenheim

Mit diesem Beitrag wollen wir euch frohe Ostern wünschen!
Deshalb haben wir die früheste Abbildung der Ostergeschichte ausgesucht, die wir hier in Worms haben: Ein Becher aus einem fränkischen Männergrab. Von dem ursprünglichen Holzbecher haben sich nur die bronzenen Beschläge und Reste der Vergoldung erhalten.

Die Bilder auf dem Becher zeigen unter anderem Adam und Eva im Garten Eden und ein Kreuz. Auf einem weiteren Feld sind Christus, Petrus und ein Hahn zu sehen. Die noch in Teilen erhaltene lateinische Inschrift zitiert das Neue Testament: „Amen, ich sage dir, ehe diese Nacht der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen“ (Lk 22,34). Diese Vorhersage von Jesus aus der Nacht vor seiner Kreuzigung am Karfreitag tritt ein, nachdem er gefangen genommen wurde: Der verängstigte Petrus beteuert nacheinander gegenüber drei Personen, er kenne Jesus nicht. Als der Hahn kräht, wird Petrus seine Schuld bewusst und er geht weinend weg.

Gefunden haben den Becher 1878 der Mitbegründer des Städtischen Museums Dr. Carl Koehl und der Kaplan Matthias Erz bei Worms-Wiesoppenheim. In dem Grab aus dem 6. Jahrhundert waren außerdem mehrere Waffen und ein gläserner sogenannter Rüsselbecher, der den Reichtum des Toten zeigt. Da die Bilder auf den Bronzeblechen schief und teilweise auch mittendrin abgeschnitten sind, nimmt man an, dass sie ursprünglich auf einem rechteckigen Kästchen angebracht waren. Hergestellt wurden sie wohl in einer Werkstatt im Norden des heutigen Frankreich.
Falls der Becher für den Verstorbenen eine religiöse Bedeutung hatte und nicht etwa als Kunstobjekt oder Beutegut ins Grab gegeben wurde, wäre er eines der frühesten Zeugnisse für Christen im Umland von Worms. 
Bewundern könnt ihr ihn in unserer fränkischen Abteilung.

Christlicher Becher (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga) 
Christlicher Becher (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga)
Christlicher Becher - Details (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga) 
Christlicher Becher - Details (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga)
 

Römisches Fluchtäfelchen aus Bad Kreuznach

Diesmal schauen wir uns ein besonderes Zeugnis römischer Religionsvorstellungen an: Ein Fluchtäfelchen. Die Römer glaubten, dass man an bestimmten Orten eine bessere Verbindung zur Unterwelt und ihren Geistern, den „Di Manes“ oder „Inferii“, hatte. Zu diesen Orten zählten Friedhöfe, Quellen, die ja aus der Erde kommen, oder Heiligtümer von Unterweltgöttern. Dort legte man kleine Tafeln ab, die meistens aus Blei bestanden und auf die man Botschaften für diese Unterweltgeister einritzte. Oft schrieb man die Namen der eigenen Feinde auf, die damit an die „Unterirdischen“ gebunden und von diesen heimgesucht werden sollten. Um die Tafeln wirksam zu machen, wurden sie vor der Deponierung gerollt oder geknickt und oft auch noch mit einem Nagel durchbohrt, um den Zauber zu „fixieren“ (daher heißen sie auf Latein auch „Defixiones“).

Das hier gezeigte Bleitäfelchen wurde 1885 zusammengerollt in einer Graburne auf einem römischen Gräberfeld bei Bad Kreuznach gefunden, wo auch noch weitere dieser Täfelchen entdeckt wurden. Es stammt aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und beginnt mit den Worten: „Die Namen meiner Feinde zu den Unterirdischen“. Danach werden 19 Namen aufgelistet, teils auch mit deren Berufen, wie Holzhändler, Metzger und Färber. Diese Person hatte offenbar viele Feinde, denen sie die Unterweltgeister „an den Hals wünschte“.

Die Anlässe für solche Verwünschungen waren vielfältig, wie wir von anderen Tafeln wissen: Eifersucht, rechtliche und politische Streitigkeiten, Geschäftsangelegenheiten und der Wunsch nach Bestrafung oder Ausgleich für erlittenen Schaden. Solche Zauber waren nach dem römischem Recht aber unter Strafe verboten. Deshalb musste man die Täfelchen im Geheimen ablegen und schrieb den eigenen Namen in der Regel nicht mit darauf.

In unserer Ausstellung warten dieses und noch weitere interessante Objekte zur römischen Religion auf euch!

Römisches Fluchtäfelchen (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Helena Haak) 
Römisches Fluchtäfelchen (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Helena Haak)
Römisches Fluchtäfelchen (Foto Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Helena Haak) 
Römisches Fluchtäfelchen (Foto Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Helena Haak)
 

Kaiserreliefs vom Wormser Haus zur Münze

Als zweiten Beitrag unserer Reihe zeigen wir euch die Bilder mehrerer Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Sie waren ursprünglich am Haus zur Münze angebracht, wo seit den 1490er Jahren die Prachtfassade des Wormser Rathauses entstand. Dieser Bau offenbarte ein neues Selbstbewusstsein des Stadtrates von Worms gegenüber den Bischöfen, die lange die Abhaltung der Ratssitzungen in ihrem Palast gefordert und die Nutzung eines eigenen Rathauses unterdrückt hatten. Die Wormser nannten das Haus zur Münze selbstbewusst das „schönste Haus der Welt“. Leider wurde es – wie auch die gesamte Stadt – durch die Truppen Ludwigs XIV. im Jahr 1689 fast völlig zerstört.

Neben einer großen Uhr und Bildern aus der Nibelungensage befanden sich an der Fassade auch ein Text über die Freiheit der Stadt, ein Lobgedicht auf den Kaiser und die später hinzugefügten steinernen Bilder von mehreren Kaisern der Habsburger-Dynastie.

Hier gezeigt sind Ferdinand I. und vermutlich Karl V. in vollem Ornat, mit der Krone auf dem Kopf, dem Schwert, das für die weltliche Macht des Kaisers stand, und dem Reichsapfel, dessen Kugelform die Macht über die Erde symbolisierte.
Das dritte Bild stellt Kaiser Friedrich III. dar. Der Kaiser war für den Stadtrat von großer Bedeutung, weil er als Unterstützer und Garant der städtischen Selbstbehauptung gegenüber dem Bischof angesehen wurde. In der Tat war Worms vor allem für die habsburgischen Kaiser dieser Zeit besonders wichtig, denn sie hielten hier gleich zwei bedeutende Reichstage ab: 1495, als eine bedeutende Reichsreform beschlossen wurde, und 1521, als sich Martin Luther vor Karl V. verantworten musste.

Die letzten Überreste vom Haus zur Münze und eine filmische Rekonstruktion davon, wie es damals ausgesehen hat, könnt ihr in unserer Ausstellung sehen.

Portraits zweier Kaiser: Links vermutl. Karl V., rechts Ferdinand I. (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Portraits zweier Kaiser: Links vermutl. Karl V., rechts Ferdinand I. (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
Kaiserportrait: Friedrich III. (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Kaiserportrait: Friedrich III. (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
 

„Mondhörner“ aus der Bronzezeit

Januar 2024: In unserer neuen Reihe „Worms Stück für Stück“ – soll jeden Monat ein Objekt aus unserem Museum im Andreasstift vorgestellt werden, das eine besondere Geschichte zu erzählen hat.

In unserem ersten Beitrag haben wir es mit einer Gruppe äußerst mysteriöser Gegenstände zu tun: Die sogenannten "Mondhörner" sind Tonobjekte, die vor allem aus der späten Bronzezeit (ca. 1300-800 v. Chr.) stammen. Sie enden oben in zwei „Hörnern“, weisen eine große Vielfalt von Formen auf und wurden an vielen Orten in Mitteleuropa, beispielsweise auch in Worms und Rheinhessen, gefunden. Ihren Namen haben sie von ihrer Form, die oft an eine Mondsichel erinnert. Ihr genauer Verwendungszweck ist aber unklar.
Manche deuten sie als Dachverzierung von Häusern. Man hat auf ihnen aber weder stärkere Verwitterung gefunden noch eine Möglichkeit, sie dort zu befestigen. Weil man sie oft in der Nähe von Feuerstellen und manchmal mit Brandspuren findet, sehen andere sie dagegen als Feuerböcke an, auf denen man brennendes Holz oder Bratspieße ablegte. Dazu sind sie allerdings zu zerbrechlich und nicht standfest genug. Auch als Nackenstützen hat man die Mondhörner schon gedeutet, viele sind dazu aber zu klein und zu unbequem. In bestimmten Abständen eingetiefte Löcher wurden sogar schon benutzt, um zu beweisen, dass die Menschen der Bronzezeit sie als astronomische Hilfsmittel zur Himmelsbeobachtung einsetzten. Diese Löcher finden sich aber nur auf einigen wenigen Hörnern. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass sie rituelle Objekte oder sogar eine Art Hausaltäre waren, vielleicht für ein mit dem Mond und Rinderhörnern assoziiertes Schutzwesen des Hauses. Vermutlich wird sich ihr genauer Zweck aber nie sicher klären lassen.

Kommt gerne in unsere Ausstellung, um euch die Mondhörner selbst anzusehen und über ihre Verwendung mitzurätseln!

Mondhörner aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Mondhörner aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
 

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