WORMS STÜCK FÜR STÜCK

In unserer Reihe „Worms Stück für Stück“ wird jeden Monat ein Objekt aus unserem Museum im Andreasstift vorgestellt, das eine besondere Geschichte zu erzählen hat.

Worms Stück für Stück: Lampen und Lichter

Worms Stück für Stück - bringt Licht ins Dunkel

In den langen, dunklen Tagen rücken kleine Lichtblicke in den Vordergrund: Licht wird zur Orientierung, zum Wegweiser durch die Straßen und zum Bändiger der Schatten. Das Licht selbst flüstert dabei Geschichten, die nur am schmalen Rand zwischen Hell und Dunkel auftauchen.

Vor allem im Totenkult spielt Licht eine bedeutende Rolle. So wurden seit der römischen Kaiserzeit häufig Öllampen mit ins Grab gegeben. Zugleich sind sie auch bereits seit der Antike auf unterschiedlichen bildlichen Darstellungen zu finden - als repräsentatives Luxusobjekt, als Alltagsgegenstand oder als Detail einer „Illustration“ - wie auf dem Titus-Bogen in Rom oder dem Gemälde Abweisung der englische Gesandten des Renaissance-Künstlers Carpaccio um 1492.

Im Zuge des Humanismus wurden antike technische Konstruktionen als Vorbilder wahrgenommen und weiterentwickelt, was anhand der römischen Öllampe R519 und dem neuzeitlichen Stundenglas mit Messanzeige M167 aus der Sammlung des Andreasstifts deutlich wird. Aber auch das Mittelalter war längst nicht so „düster“, wie oft erzählt wird. Die Lampe F1106 aus Ton zeigt, wie vor 1000 Jahren die Menschen Helligkeit erzeugten. Im späten 19. Jahrhundert folgte dann die Erfindung der Glühbirne und veränderte die künstliche Beleuchtung von Grund auf, ganz zu schweigen von neuerer Technologie wie LED, die mittlerweile auch im Ausstellungswesen die Standards setzt. In der Wissenschaft gibt es sogar einen eignen Fachbegriff für die Lampenforschung: Lynchnologie.

Die drei genannten Objekte erinnern an die Entstehung der heutigen Lampen, die in den zurzeit langen dunklen Tagen wichtiger denn je erscheinen. Die unterschiedlichen Lichtquellen können für einen Monat im Museum der Stadt Worms im Andreasstift besichtigt werden.

🖋 Jennifer Trenkel 📸 Claudia Weissert (Museum Andreasstift, Worms)

Worms Stück für Stück: Die Heiligen Drei Könige

Wer waren die mysteriösen Bewunderer von Jesus, deren Eintreffen jedes Jahr am 6. Januar gefeiert wird? 

Drei an der Zahl sollen es gewesen sein: Melchior, Balthasar und Caspar. Als Könige seien sie gekommen, so heißt es, um den neugeborenen Christus mit Gold, Weihrauch und Myrrhe zu beschenken.

Die Heiligen Drei Könige (katholisch) oder auch die Weisen aus dem Morgenland (evangelisch) gelten in der christlichen Weihnachtsgeschichte, nach dem Matthäusevangelium, als die von einem Stern zu Jesus geleiteten Gelehrten (im griech. Originaltext magoi, Magier).

Im Allgemeinen ist jedoch weder die Dreizahl noch die exakte Herkunft der Personen geklärt. Die Dreizahl der Gelehrten wird aufgrund der in Matthäus 2,11 beschriebenen Geschenke, die denen eines Königs würdig seien, angenommen. Gold ehrt Jesus besonders, da es als hochwertig und rein gilt. Weihrauch steht bei seiner Verbrennung für Reinigung, Verehrung und Gebet. Myrrhe, ein bitterer Saft, verströmt nicht nur einen angenehmen Duft, sondern wirkt auch entzündungshemmend.

Darüber hinaus sind die Namen Caspar (persisch: Schatzmeister), Melchior (hebräisch: Lichtkönig) und Balthasar (akkadisch: Gott erhalte den König) erst ab dem 6. Jahrhundert belegt. Zum einen können die Gelehrten für die drei Lebensabschnitte stehen: Jüngling (Melchior), Mann im mittleren Alter (Balthasar) und alten Mann (Caspar). Zum anderen werden sie auch als Vertreter der Kontinente und somit „der Menschheit“ benannt (Europa, Asien und Afrika).

Was ihnen auch immer für eine Bedeutung zugeschrieben wird, sie sind aus der modernen Weihnachtsgeschichte nicht wegzudenken. Die von Aloys Riffarth von 1920 bis 1960 in Mönchengladbach aufwendig modellierten Sternendeuter sind nun für einen Monat im Museum zu bestaunen.


Worms Stück für Stück: Die Heiligen Drei Könige (Foto: Museum Andreasstift, Claudia Weissert)
Worms Stück für Stück: Die Heiligen Drei Könige (Foto: Museum Andreasstift, Claudia Weissert)

Worms Stück für Stück: Backmodel

Zum Anbeißen schön - Können Lebkuchenmodel als eine frühe Form der Druckkunst bezeichnet
werden?

Backmodel, aus Holz geschnitzte Hohlformen zum Backen, folgen einer langen Tradition. Obwohl
Illustrationen auf Spekulatius häufig noch bekannt sind, geraten kunstvoll verzierte Honigkuchen, als
eine spezielle Variante von Lebkuchen, vermehrt in Vergessenheit. Bereits vor der Antike wurden
dekorative Model verwendet. Archäologische Funde der Harappa-Kultur (Blütezeit ca. 2300-1600
v.u.Z.) des heutigen Pakistan und Nordwestindien belegen vergleichbare Vorlagen zum Backen. Von
dort aus verbreitete sich die Kleinkunst im 1. Jahrtausend vor unserer Zeit bis nach Ägypten und nach
Griechenland. Ab dem 1. Jahrhundert wird die Verwendung von Modeln im Zusammenhang mit
Honigkuchen im römischen Reich greifbar.

Mit den Römern kam dann das ungewöhnliche Kunstgebäck auch nördlich der Alpen an. Unterstützt
durch den Ausbau von Handelsrouten im Rahmen der Kreuzzüge entstand ein abwechslungsreiches
Angebot von Gewürzen. Dadurch wurde Lebkuchen nicht nur zum Modegebäck des Mittelalters,
sondern auch zum ständigen Begleiter als Heilmittel. Sogar Mitglieder der französischen Königsfamilie
sollen sich Lebkuchen zum Neujahr geschenkt haben. Allerdings wurde das gut gewürzte Gebäck von
der Neuzeit an (ab ca. 1500) nicht nur von Pilgern für den Magen, sondern auch für Propaganda
genutzt.

„Bilddruck-Gebäck“ kann als die Kunstform beschrieben werden, die bereits früh von einer breiten
Bevölkerung erworben werden konnte. Im Museum der Stadt Worms im Andreasstift sind einige
solcher Backmodel zu finden. Eine der Hohlformen zeigt einen Engel mit detailliert ausgearbeiteten
Flügeln und faltenreichem Gewand. Es handelt sich um eine gängige Weihnachtsdekoration, die nun
für einen Monat im Museum bestaunt werden kann.

Backmodel Stück für Stück

Worms Stück für Stück: Die Krone der Toten

Ob keltisch oder christlich, es heißt, an Halloween seien die Toten in Bewegung... Doch wie kann man sich vor bösen Geistern schützen?

 
Totenkronen werfen so einige Rätsel auf. Sie gehören nicht zu den Herrschafts-Insignien oder Würdezeichen und doch waren sie vor allem im deutschsprachigen Raum vom 16. bis ins 20. Jahrhundert immer wieder Teil von Bestattungszeremonien. Während der Zeremonie ruhten die Kronen auf Särgen von unverheirateten Erwachsenen, Kindern und manchmal auch im Kindbett verstorbenen Frauen. Offenbar sollte niemand unverheiratet ins Himmelsreich gelangen, ob katholisch oder evangelisch.

 
Als Stifter traten Paten und Freunde auf. Jedoch sind bereits aus dem 17. und 18. Jahrhundert Luxusverbote bekannt. Adolf Tschirner schreibt 1930 in seinem Artikel von hohen Kosten für hinterbliebene Freunde und entstandener „Unordnung“, da zum Fertigen der Kronen ledige Personen beider Geschlechter zusammengetroffen seien. Offensichtlich hat so mancher Amtsinhaber allerhand Argumente für das Eindämmen des Brauchs gefunden. In der Folge ist verstärkt die Verwendung von Leihkronen statt Eigenkronen, wenn auch regional unterschiedlich, zu beobachten.

 
Leihkronen wurden gewöhnlich aus Metall hergestellt. Pflanzenranken und Blütendarstellungen, wie Rosen und Vergissmeinnicht, sind ein häufiges Motiv, so auch bei unserer Totenkrone im Museum Andreasstift in Worms. Leider ist die Herkunft der Krone unbekannt. Trotzdem ist sie uns als Symbol des jahrhundertelang anhaltenden Brauchs der Aufstellung von Totenkronen für Unverheiratete erhalten geblieben und kann nun für einen Monat im Museum bestaunt werden.


🖋️ Jennifer Trenkel 📸 Claudia Weissert (Museum Andreasstift, Worms)

Totenkrone (Bild: Claudia Weissert / Museum Andreasstift, Worms)

Worms Stück für Stück: Der Gesichtskrug

Der Gesichtskrug (3195)

Dieser römische Krug aus Worms fällt durch seine besondere Form auf: Er endet oben in einem Kopf mit einem Frauengesicht, dem diese Art von Keramik ihren Namen verdankt. Während hochqualitative Töpferware aus Gallien und später auch aus Rheinzabern importiert wurde, arbeiteten im römischen Worms auch eigene Töpfereien, die aus vor Ort abgebautem Ton orangefarbene Keramik herstellten. Ein größeres Töpferviertel befand sich damals im Süden der Siedlung, unter anderem im Bereich der Schönauer Straße. In dieser Gegend spezialisierte sich eine Werkstatt um etwa 300 n. Chr. offenbar auf eine besondere Innovation: Die Wormser Gesichtskrüge, von denen bis heute etwa 120 gefunden wurden und die in 10 verschiedenen Varianten vorkommen. Die bei einigen beobachtete Scheitelzopffrisur war damals unter römischen Frauen sehr modern. Teilweise sind sie neben einfachen Verzierungen sogar mit Kleidung und Schmuck bemalt. Manche tragen auf dem „Kopf“ auch eine Mauerkrone, sodass es sich vielleicht um Personifikationen oder Schutzgöttinnen der Stadt handeln könnte. Während die meisten an ihrem Herstellungsort Worms gefunden wurden, hat die Werkstatt ihre Erzeugnisse daneben offenbar auch nach Alzey und bis in die Pfalz verkaufen können.

Das vorliegende Exponat kam bei Ausgrabungen auf dem Gräberfeld Bollwerk zutage. 1920 wurde der südwestliche Friedhof, der damals unbebaute Tafelacker der Firma Cornelius Heyl, bearbeitet. Dem Inventarbuch der Ausgrabung ist zu entnehmen, dass das betreffende Grab (Grab 225) im Februar 1920 geöffnet wurde. Der Gesichtskrug des DÖVENER Typus 2a (Kat. 44, Abb. 81) besteht aus orangebraunem Ton und zeigt Reste eines roten Überzugs. Darüber hinaus sind Rückstände weißer Übermalungen zu erkennen. Franziska Dövener zufolge, namensgebend für die Typologie, wurden Gesichtskrüge als luxuriöse Spezialprodukte im Römischen Reich in unterschiedlichen Gebieten gehandelt. Sie waren nicht nur Teil von Bestattungsriten, sondern auch Alltagsgegenstände. Weitere Gesichtskrüge sind im römischen Bereich der Dauerausstellung zu sehen.

Vinzenz Loga und Jennifer Trenkel, Foto Claudia Weissert (Museum Andreasstift, Worms)
Gesichtskrug, Vorderansicht
Gesichtskrug, seitliche Ansicht2
 

Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen

„Diamonds are a girl‘s best friend“ sang Marilyn Monroe. Diese Frau aus der Jungsteinzeit hätte wahrscheinlich widersprochen: Statt Diamanten trug sie Ketten um Hals und Hüften, die mit Muschelstücken, Schneckenhäusern, aber auch sogenannten „Grandeln“ besetzt waren. So nennt man die Eckzähne von Hirschen, die bis heute beliebte Jagdtrophäen sind und auch immer noch als Schmuck getragen werden. Wegen ihrer Beliebtheit wurden sie damals sogar durch geschnitzte Muscheln imitiert.

Auf den Händen der Verstorbenen lagen noch zwei Spondylusmuscheln, die mit Löchern zur Befestigung durchbohrt waren. Diese Muscheln wurden vom Mittelmeer über die Alpen transportiert und zeigen bereits den Warenaustausch in der Jungsteinzeit. Die vielen qualitätvollen Beigaben lassen vermuten, dass diese Frau eine hervorgehobene gesellschaftliche Stellung hatte. Dazu fand man im Grab neben tönernen Gefäßen auch die Reste roter Farbe, die schon in der Altsteinzeit besondere rituelle Bedeutung hatte.

Gefunden wurde das Grab um Ostern 1898 in Rheindürkheim beim Bau der (heute stillgelegten) Eisenbahnstrecke. Es wird der Hinkelstein-Kultur aus der Zeit um ca. 5000 v. Chr. zugeordnet, benannt nach dem Feld „Am Hinkelstein“ in Monsheim. Dort stand einst der Hinkelstein, oder Menhir, der heute vor dem Monsheimer Schloss aufgestellt ist. Obwohl der Hinkelstein ihr seinen Namen gab, hat er selbst jedoch keinen direkten Bezug zu der Kultur.

Typisch für Gräber der Hinkelstein-Kultur ist die Ausrichtung der Toten in ausgestreckter Lage von Nordwest nach Südost. Der Ausgräber Dr. Koehl, der eigentlich Arzt war, hatte für seine Skizzen der vielen Gräber ein vorgedrucktes Skelett als Grundlage, in das er die gefundenen Gegenstände einzeichnete. Das Skelett selbst wurde damals meistens wenig untersucht.

Der Schmuck ist im Museum der Stadt Worms im Andreasstift im 2. Obergeschoss ausgestellt. Bei der Bastelstation im selben Raum können Besuchende auch eigene Hals- und Armbänder nach steinzeitlicher Mode herstellen.

Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen (Foto: Museum Andreasstift, Vinzenz Loga)   
Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen (Foto: Museum Andreasstift, Vinzenz Loga)
Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen (Foto: Museum Andreasstift, Vinzenz Loga) 
Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen (Foto: Museum Andreasstift, Vinzenz Loga)
 
Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen (Foto: Museum Andreasstift, Vinzenz Loga)
Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen (Foto: Museum Andreasstift, Vinzenz Loga)
Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen (Foto: Museum Andreasstift, Vinzenz Loga)
Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen (Foto: Museum Andreasstift, Vinzenz Loga)
Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen (Zeichnung: Dr. Carl Koehl, 1898)
Worms Stück für Stück: Steinzeitlicher Schmuck aus Muscheln, Schnecken und Zähnen (Zeichnung: Dr. Carl Koehl, 1898)
 

Worms Stück für Stück: Römischer Reitergrabstein

Wie möchte ich der Nachwelt in Erinnerung bleiben? Für viele Reitersoldaten in der römischen Armee war das völlig klar: Als siegreicher Kämpfer hoch zu Ross, der seine Gegner mit der Lanze in den Staub stößt. Im 1. Jahrhundert n. Chr. finden wir viele solcher Grabsteine in Worms, wo neben Fuß- vor allem Reitersoldaten stationiert waren. 

Dieser Soldat, Quintus Carminius Ingenuus, hatte dazu noch eine besonders ehrenvolle Aufgabe: Als „Signifer“ trug er das Feldzeichen seiner Einheit, das im Hintergrund zu erkennen ist. Es diente der Einheit in der Schlacht als Orientierung und wurde streng gehütet, sein Verlust galt als Schande. 

Die römische Identität wurde auf solchen Grabsteinen auch in Abgrenzung vom „Anderen“ definiert: Die unterlegen Feinde sind an ihren langen Haaren eindeutig als „Barbaren“ zu erkennen. Deren Nacktheit könnte ihre Wildheit, aber auch ihre Hilflosigkeit zeigen. Ihre zusammengekauerte Haltung kontrastiert mit der aufrechten stolzen Pose des Römers. Dessen Mut versinnbildlichen auch zwei Löwenfiguren oben auf dem Stein, deren Köpfe aber leider abgebrochen sind. Dem Reiter „fehlt“ übrigens auch etwas: Steigbügel wurden in Europa erst später bekannt. Dafür hilft ein sogenannter Hörnchensattel mit Erhebungen vorne und hinten dabei, nicht vom Pferd zu rutschen.

Unter dem einst bemalten Bild hat sich ein Teil der Inschrift erhalten: Sie verrät uns neben dem Namen des Toten auch den seiner Einheit: „Ala Hispanorum“. Das Sterbealter ist nicht mehr lesbar, wir können aber noch erkennen, dass er 25 Jahre im Dienst war. Dazu hat sich der Erbe, „Sacer Iulius“, mit auf den Grabstein schreiben lassen: Er hat den Stein dem Testament gemäß bezahlt. 

Der Grabstein wurde 1666 an der Mainzer Straße gefunden, wo sich die römische Gräberstraße außerhalb der Stadt befand. Er ist heute in unserem Lapidarium im Kreuzgang aufgestellt.

Worms Stück für Stück; Römischer Reitergrabstein (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga) 
Worms Stück für Stück; Römischer Reitergrabstein (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga)
Worms Stück für Stück; Römischer Reitergrabstein (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga) 
Worms Stück für Stück; Römischer Reitergrabstein (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga)
 
Worms Stück für Stück; Römischer Reitergrabstein (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga)
Worms Stück für Stück; Römischer Reitergrabstein (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga)
 

Worms Stück für Stück: Bauer und Bäuerin beim „Brüten“

Diese tönerne Prägeform zeigt ein seltsames Bild: Ein Bauer mit entblößtem Hintern, der auf einem Korb Eier „brütet“. Ihm gegenüber betrachtet eine Bäuerin ein Ei in der erhobenen Hand. Das Spruchband dazwischen kann uns den Sinn nicht mehr verraten: Es ist kaum mehr zu lesen. Das „Brüten“ ist vielleicht als Metapher für die eheliche Sexualität zu verstehen.

Unser Museum besitzt noch weitere dieser „Model“, die zu Beginn der Frühen Neuzeit beliebt waren, um vor allem Küchlein herzustellen. Auch das Nachlass-Inventar des Patriziers Claus Stalburg von 1524 erwähnt einige „kuchelstaine“ mit mythologischen, christlichen und volkstümlichen Darstellungen. Einer davon war unserem offenbar ähnlich: Zu sehen sei „eyn bauer und 1 weip, die dreschen aus eyeren jung huner“. Beauftragt hatte er die Model beim Metallschmied Hartmann Kistener in Frankfurt, der also vielleicht auch unsere Form angefertigt hat.

Die Zusammenarbeit von Bauer und Bäuerin war vor 500 Jahren angesichts eines Lebens am Existenzminimum und der Bedrohung durch Schädlinge und Missernten unerlässlich. Das „Ehe- und Arbeitspaar“ bildete sich im Mittelalter als eigene wirtschaftliche Einheit heraus. Es konnte – bei allen Abgaben an Kirche und Grundherrn – immer freier über den Gewinn aus der eigenen Arbeit verfügen und diesen auch besser vererben. Die Frau wurde wirtschaftlich wichtiger und bekam mehr eigene (auch rechtlich gesicherte) Spielräume.

Auch im Bauernkrieg von 1525 spielten Frauen eine Rolle. Bekannt wurde die „schwarze Hofmännin“ Margarethe Renner, die die aufständischen Bauern der Umgebung Heilbronns anspornte und dafür ins Gefängnis geworfen, aber später freigelassen wurde. Mehr über den Bauernkrieg und seine Zeit erfahrt ihr in unserer Sonderausstellung „‘Die Luft der Freiheit‘ – 500 Jahre Bauernschlacht Pfeddersheim 1525“ ab dem 4. Juli.

Worms Stück für Stück: Bauer und Bäuerin beim „Brüten“  Foto: Museum Andreasstift, Claudia Weissert 
Worms Stück für Stück: Bauer und Bäuerin beim „Brüten“
Foto: Museum Andreasstift, Claudia Weissert
Worms Stück für Stück: Bauer und Bäuerin beim „Brüten“  Foto: Museum Andreasstift, Claudia Weissert 
Worms Stück für Stück: Bauer und Bäuerin beim „Brüten“
Foto: Museum Andreasstift, Claudia Weissert
 

Worms Stück für Stück: Worms Stück für Stück: Keltische Vogelfigur aus Ton

Dieser tönerne Vogel wurde am 4. Dezember 1996 in einem keltischen Grab im Industriegebiet Worms Nord gefunden. Er besteht aus dunkelbraunem Ton, in den punkt- und halbkreisförmige Verzierungen eingedrückt wurden, um Federn zu imitieren. In den Vertiefungen sind noch Reste weißer Farbe erhalten. Es ist unklar, ob der Vogel als Dekoration, Talisman oder Spielzeug diente.

Weil in dem Grab kaum noch Reste von Knochen vorhanden waren, sind Alter und Geschlecht nicht mehr bestimmbar. Zu den weiteren Grabbeigaben zählten ein Bronzering, der auf einem Oberarmknochen steckte, und zwei Fibeln, also verzierte Nadeln zur Befestigung des Gewandes, aus Eisen und Bronze. Die Verzierung der bronzenen Fibel erinnert ebenfalls an einen stilisierten Vogelkopf. Durch die Stilmerkmale der Fibeln ließ sich das Grab zeitlich einordnen: Es stammt aus der frühen Latènezeit, also etwa dem Zeitraum zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr.

Das Grab lag in einem doppelten Kreisgraben mit über 14 m Durchmesser, der einen Eingang im Nordosten und vielleicht auch im Süden hatte. Es war Teil eines größeren Gräberfeldes, das jahrhundertelang, vor allem während der frühen Latènezeit, genutzt wurde. Viele Gräber waren von Kreisgräben umgeben, die sie einst aus der Landschaft hervorhoben. Möglicherweise waren damals in ihrer Mitte noch Grabhügel aufgeschüttet. Die vielen Kreisgräben und die teils reich ausgestatteten Gräber sprechen dafür, dass der Ort auch überregional wichtig war. Das Grab wurde übrigens passenderweise im Gewann „Entenpfuhl“ gefunden, nach dem dort bis heute eine Straße benannt ist.

Der Vogel ist eine Leihgabe der GDKE Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie. Zu sehen ist er zusammen mit anderen Zeugnissen der Wormser Geschichte ab dem Internationalen Museumstag am 18. Mai in der Andreaskirche. An diesem Tag werden die neu ausgestellten Objekte in einer Sonderführung vorgestellt. Mehr zum Programm an diesem Taghier.

Worms Stück für Stück: Keltische Vogelfigur aus Ton Dauerleihgabe der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Landesarchäologie Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga 
Worms Stück für Stück: Keltische Vogelfigur aus Ton
Dauerleihgabe der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Landesarchäologie
Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga

Worms Stück für Stück: Mosaikglas-Schale

Die Geschichte dieser Schale aus buntem Mosaikglas zeigt, dass auch Experten und Museen sich einmal irren können und übers Ohr hauen lassen.

Der Industrielle Maximilian von Heyl ermöglichte mit seinem Geld den Aufbau der Sammlung des Wormser Altertumsvereins, die ab 1881 im Paulusstift gezeigt wurde. 1894 erwähnt er in einem Brief eine Marie Schmidt, der die ersten Kustoden des Museums, Dr. August Weckerling und Dr. Carl Koehl, auf den Leim gegangen waren. Anscheinend hatten sie von ihr einige gläserne Gefäße gekauft, die sie für antike römische Stücke gehalten hatten. Tatsächlich handelte es sich aber um viel jüngere Gläser aus einer venezianischen Glashütte. Erst nach dem Kauf bemerkten sie ihren Irrtum. „Frau Marie Schmidt aber ist verduftet. Die Lehre ist hart, aber nützlich“ schreibt Maximilian von Heyl. Die beiden mussten den Ankaufspreis selbst tragen, um den Museumsetat nicht durch den Irrtum zu belasten.

In der römischen Glassammlung des Museums, die neben Grabfunden aus der Wormser Umgebung durch Ankäufe und Schenkungen erweitert wurde, befinden sich auch authentische römische Mosaikgläser. Diese wurden aus vielen kleineren Glasstücken hergestellt, die oft aus Glasfäden geschnitten und dann in eine Form gepresst wurden. Damals befand sich die Sammlung aber noch im Aufbau und das Wissen über antike Handwerkstechnik war lückenhaft. Erst nach und nach musste man sich Kenntnisse durch Begutachten und Vergleichen aneignen.

Im 19. Jahrhundert produzierten viele Werkstätten Gläser nach wiederentdeckten antiken Techniken. So war es offenbar auch mit diesem Glas, das wohl in Murano bei Venedig hergestellt wurde, das bis heute für seine qualitätsvollen Gläser bekannt ist. So hatte man rückblickend Glück im Unglück: Auch ohne antik zu sein, sind die Stücke besondere und einzigartige Beispiele der Glaskunst.

Die Schale ist ab sofort in unserer Wechselvitrine im Erdgeschoss ausgestellt.

Worms Stück für Stück: Mosaikglas-Schale  © Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Claudia Weissert 
Worms Stück für Stück: Mosaikglas-Schale
© Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Claudia Weissert
Worms Stück für Stück: Mosaikglas-Schale  © Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Claudia Weissert 
Worms Stück für Stück: Mosaikglas-Schale
© Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Claudia Weissert
 

Worms Stück für Stück: Römische Maske aus Ton

Helau!

Passend zur Faschingszeit stellen wir euch eine römische Maske vor, die zeigt, was für eine lange Tradition die Maskerade hier in Worms hat. Die Tonmaske wurde 1891 bei Kanalbauarbeiten in der Nähe der gerade erst gebauten Neusatz-Schule zerbrochen in einer Abfallgrube aus römischer Zeit entdeckt. Da fast alle Bruchstücke gefunden wurden, ließ sie sich wieder zusammensetzen.

Die Maske besteht aus hellem Ton, der an verschiedenen Stellen rotbraun bemalt wurde. Sie wurde in römischer Zeit aus Köln importiert, wo sich noch einige ähnliche oder fast gleiche Masken gefunden haben, die alle aus dem dort vorkommenden hellen Ton hergestellt wurden. Sie stammen aus der Zeit zwischen dem Ende des 1. und dem Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr.

Masken waren in der griechisch-römischen Kultur mit dem Gott Dionysos (römisch: Bacchus) verbunden und wurden bei religiösen Riten und von Schauspielern bei Theaterstücken verwendet, die zunächst vor allem zu Dionysos‘ Ehren aufgeführt wurden. Dort stellten die Masken verschiedene klischeehafte Charaktertypen dar. Sie wurden zusammen mit Perücken und Schuhen mit hohen Absätzen getragen.

Obwohl diese Maske über Öffnungen an Augen und Mund sowie Löcher zur Befestigung von Riemen verfügt, war sie wahrscheinlich nicht dafür gedacht, im Theater von Schauspielern verwendet zu werden: Deren Masken bestanden aus leichteren Materialien wie Stoff oder Leder. Die Tonmasken dagegen waren wegen ihrer verzerrten Proportionen und der mangelnden Glättung der Masken innen nicht zum Tragen geeignet: Sie dienten wohl der Dekoration in repräsentativen Räumen oder an den Fassaden von Häusern, wie man es auch auf römischen Wandmalereien dargestellt finden kann.

Diese Tonmaske, die in unserer römischen Abteilung ausgestellt ist, kann als Kopie auch in unserem Museumsshop gekauft werden.

Worms Stück für Stück: Römische Maske aus Ton © Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Claudia Weissert 
Worms Stück für Stück: Römische Maske aus Ton
© Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Claudia Weissert

Worms Stück für Stück: Modell eines Kumts für Zugpferde

In Monat Februar 2025 stellen wir in unserer Wechselvitrine ein sogenanntes Kumt aus. Damit lässt sich ein Pferd vor einen Wagen oder ein Arbeitsgerät spannen. Warum dieses Kumt für ein tatsächliches Pferd aber viel zu klein geraten ist, erfahrt ihr hier.

Das Kumt besteht aus dem ledernen Kumtkissen, das um den Hals des Tieres liegt, und dem Kumtbügel aus Holz, an dem Befestigungen für Zuglast und Zügel angebracht sind. Erst durch die Einführung des Kumts in Europa während des Mittelalters wurde das Pferd als Zugtier für schwerere Lasten effektiv einsetzbar, da die Last damit gleichmäßiger verteilt wird als bei bis dahin üblichen Geschirren. Dafür muss es gut an das Tier angepasst werden, um ein Drücken oder Scheuern zu vermeiden. In vielen Ländern der Welt wird das Kumt bis heute verwendet. Auch in einigen Wappen ist es zu finden.

Das Kumt ist Teil der historischen Bestände der Wormser Sattlerei Nickes Schäfer, die dem Museum geschenkt wurden. Ein Sattler oder eine Sattlerin fertigt und bearbeitet Sättel, Zaumzeug und Geschirr für Pferde, aber auch Polster und Verdecke für Autos. Dabei wird auch heute noch Leder verwendet, aber auch Filz und Kunststoff. Der Grund für die geringe Größe dieses Kumts von unter 28 cm: Es war ein Modell, um es auf Messen und anderen Anlässen potenziellen Kunden zeigen zu können. Durch das kleine Format ließ es sich leichter transportieren.
Das Lederhandwerk ist ein bedeutender Bestandteil der Wormser Geschichte. Aus den lokalen Gerbereien entstanden im 19. Jahrhundert die international bedeutenden Lederfabriken. Sie bilden auch einen Schwerpunkt unserer  Gemäldeausstellung „Worms unter Volldampf. Ansichten einer Stadt im Industriezeitalter“, die unsere Sonderausstellung zum Maler Leonhard Sandrock thematisch ergänzt.
Beide Ausstellungen waren bis zum 30. März 20025 zu sehen.


Worms Stück für Stück: Kumtmodell © Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Claudia Weissert 
Worms Stück für Stück: Kumtmodell
© Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Claudia Weissert

Worms Stück für Stück: Schmuck eines Kindes aus der Bronzezeit

Liebevoll bestattet und mit prächtigem Schmuck – so legte man vor über 3000 Jahren ein Mädchen nahe der heutigen Westendschule zur letzten Ruhe. Das Grab lässt sich der Hügelgräberkultur zuordnen, die in der mittleren Bronzezeit (ca. 1600–1200 v. Chr.) mit regionalen Unterschieden vom Elsass bis nach Ungarn verbreitet war.

Die Schmuckelemente um die Waden, sogenannte „Beinbergen“, wurden mit großer Kunstfertigkeit aus gehämmertem Bronzeblech hergestellt und die drahtförmigen Enden zu Spiralen ausgeformt. Die Spirale, die als Form vielfach in der Natur vorkommt, wird seit der Steinzeit auch in der Kunst verwendet und ist ein sehr vielschichtiges Symbol. Man vermutet, dass die Beinbergen dauerhaft getragen wurden, weil man sie wohl teils nur mit Hilfe eines Schmieds an- und ausziehen konnte. Um den Arm hatte das Mädchen einen spiralförmig gewundenen Bronzereif. Dazu trug man Kleider aus Leinen oder Schafwolle, die wahrscheinlich kurz genug waren, dass man den aufwendigen Beinschmuck noch sehen konnte. Manche Frauen trugen als Schmuck auch einzelne Perlen oder sogenannte „Radnadeln“ aus Bronze, um ihre Kleidung zu fixieren.

Bronze, hergestellt durch die Verbindung von Kupfer und Zinn, kam bei uns vor über 4000 Jahren auf. Man fertigte daraus neben Schmuck auch Werkzeuge und Waffen. Während der mittleren Bronzezeit wurde so viel davon produziert, dass Bronzeerzeugnisse offenbar auch als Zahlungsmittel dienten. Die grünbraune Patina ist erst mit der Zeit entstanden, ursprünglich leuchtete der Schmuck gold- bis kupferfarben. Deswegen war das Material auch noch in der Eisenzeit beliebt.

Die Beinbergen und der Armreif sind im ersten Obergeschoss zu sehen, wo ihr verschiedene Schmuckstücke aus mehreren Jahrtausenden findet. Nachbildungen von solchem Spiralschmuck sind auch in unserem Shop erhältlich.


 

Worms Stück für Stück: Christkind aus Pfeifenton

Diese Christkind-Figur aus dem 15. Jahrhundert möchten wir euch heute vorstellen: Der kleine Jesus liegt in einer Wiege, die man auf die Krippe der Weihnachtsgeschichte beziehen kann. Die rechte Hand zeigt eine Segensgeste, während er links die Erdkugel mit Kreuz als Zeichen seiner weltumspannenden Macht trägt.
Die Figur des neugeborenen Jesus-Kindes war zu dieser Zeit ein beliebtes Neujahrsgeschenk. Es wurde nicht nur allein, sondern oft auch mit Maria oder in einer Krippenszene dargestellt. Das „Christkind“ entwickelte sich in späteren Jahrhunderten immer mehr zu einer eigenen Gestalt, die überwiegend geschlechtslos auftrat und den Kindern die Geschenke brachte.
Solche Figuren wurden im Mittelalter und der Frühen Neuzeit aus sogenanntem „Pfeifenton“ hergestellt und zeigten neben Christus unter anderem Maria, Heilige oder Tiere. Man fertigte sie in Formen aus Stein, Holz oder Metall, die sich sowohl für Ton als auch für essbare Erzeugnisse aus Teig eigneten. Die Tonfiguren wurden beispielsweise in Hausaltären, auf dem Kamin oder an Fassaden aufgestellt, aber auch in Gräber mitgegeben. Die Zunahme der Produktion führte zu einer leichteren Zugänglichkeit von sakraler Kunst für größere Bevölkerungsschichten. In manchen dieser Formen wurden bereits etwa zeitgleich mit Gutenberg bewegliche Lettern verwendet.

Aus der Wormser „Bilderbäckerei“, eine der wichtigsten der Zeit, wurden über 1300 Figuren gefunden. Aufgrund der großen Menge an Funden, die wahrscheinlich größtenteils zerbrochene Ausschussware darstellten, kann man annehmen, dass die Werkstatt südwestlich der Innenstadt an der Speyerer Straße produzierte. An manchen haben sich Reste von Farbe erhalten. Auch einige der Formen wurden gefunden.

Worms Stück für Stück: Christkind aus Pfeifenton  Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Vinzenz Loga 
Worms Stück für Stück: Christkind aus Pfeifenton
Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Vinzenz Loga

Worms Stück für Stück: „Lutherwagen“-Modell

Anlässlich des Reformationstages letzte Woche wollen wir euch eines der Glanzstücke unserer Luther-Abteilung vorstellen: das Modell eines Kobelwagens im Maßstab 1:4, das dem Wagen nachempfunden ist, in dem der Reformator Martin Luther 1521 vom Reichstag in Worms abreiste.

Als Luther Worms am 26. April verließ, in Unsicherheit über seine Zukunft und in Furcht vor der Reichsacht gegen ihn, reiste er zunächst in einem vom Wittenberger Stadtrat gestellten Wagen. Am 4. Mai wurde er jedoch angehalten und von einer Gruppe Reiter mitgenommen. Sein Gönner Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen hatte seine scheinbare Entführung inszeniert, um den Reformator auf der Wartburg in Sicherheit zu bringen. Dafür wurde der Wagen zurückgelassen und Luther ritt mit seinen „Entführern“ zu Pferd weiter.

Der Kobelwagen, eine Bauform, die schon lange vor Luther genutzt wurde, besteht aus vier gleich großen Rädern mit schmiedeeisernen Beschlägen, einem Holzkasten mit Treppen an den Seiten und einer Plane aus Rindsleder, die darüber gespannt ist. Obwohl der Wagen nicht gefedert war, war er für Luther, der Reiten nicht gewöhnt war, sicher allemal bequemer als der Rücken eines Pferdes. Zusätzliche Fahrgäste konnten auf dem Wagenboden sitzen, mit den Beinen auf den seitlichen Tritten. Hergestellt wurde dieses Modell von der Braunschweiger Tischlerei und Stellmacherei „Die Drei“ mit den Werkzeugen der Zeit. Ein Nachbau in Originalgröße steht heute auf der Wartburg. Eine Garantie dafür, dass Luthers Wagen tatsächlich so aussah, haben wir übrigens nicht: Vorlage für dieses Modell war die Darstellung der Entführung auf einem Kupferstich, der erst etwa 70 Jahre später entstand.

Der Wagen ist Teil der Abteilung im zweiten Obergeschoss, die Luthers Auftritt auf dem Wormser Reichstag gewidmet ist.

 Woms Stück für Stück -  Modell eines Reisewagens ©Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Claudia Weissert 
Woms Stück für Stück - Modell eines Reisewagens
©Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Claudia Weissert

Worms Stück für Stück: Römische Matronae-Statuen

Sitzend, mit langen Kleidern und oft mit einer Haube auf dem Kopf: So treffen wir die Göttinnen an, die bei den Römern als Matronae oder Matres bekannt waren. Ihr Name lässt sich neben der tatsächlichen Mutterrolle auch allgemein auf gesetztere verheiratete Frauen beziehen. Die Göttinnen garantierten Fruchtbarkeit und Wohlstand und beschützten Familie, Vieh und Feld, die Lebensgrundlagen der meisten Menschen in der Antike. Dies wurde mit den Früchten auf ihrem Schoß symbolisiert. Oft treten sie in Dreiergruppen auf.

Verehrt wurden sie vor allem im Gebiet von Rhein und Maas, besonders rund um Köln. Dazu passen ihre Hauben, die der lokalen Tracht entsprachen. Die über 100 belegten Beinamen, die ihnen gegeben wurden, nahmen die Bezeichnungen für lokale Volksgruppen und Ortsnamen auf und werden häufiger aus dem Keltischen oder Germanischen abgeleitet. Sie zeigen den stark lokalen Charakter der einzelnen Matronae, der wohl ihre große Beliebtheit erklärt: Sie waren für einige Menschen wohl persönlicher und nahbarer als die „großen“ römischen Götter wie Jupiter oder Mars.

Zu ihren Anhängern gehörten Männer und Frauen verschiedener sozialer und ethnischer Hintergründe, auch hochrangige Offizielle des Reiches waren darunter, wenn sie sich länger in der Gegend aufhielten. Die Römer, die ihre Götter in neue Gebiete mitbrachten und auch oft andere Gottheiten als Varianten der eigenen interpretierten, nahmen offensichtlich auch bereitwillig Götter vor Ort an, wenn sie sich von ihnen Unterstützung erhofften.

Diese Matrona aus Terrakotta wurde 1882 zusammen mit 28 Spielsteinen aus Horn und einer Münze in einem Sarkophag an der Mainzer Straße gefunden. Ihr findet sie neben vielen anderen Zeugnissen römischer Handwerkskunst und Religion in unserer Römischen Abteilung.

Als Kopien könnt ihr sie übrigens auch in unserem Museums Shop kaufen!

Worms Stück für Stück: Römische Matronae-Statue © Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Vinzenz Loga 
Worms Stück für Stück: Römische Matronae-Statue
© Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Vinzenz Loga
Worms Stück für Stück: Römische Matronae-Statuen © Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Vinzenz Loga 
Worms Stück für Stück: Römische Matronae-Statuen
© Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Vinzenz Loga
 

Worms Stück für Stück: Eisenzeitliches Pferdeskelett aus Abenheim

Dieses Skelett eines Pferdes wurde 1985 in Worms-Abenheim in den „Rautwiesen“ beim Bau eines Autobahnzubringers gefunden. Datiert wurde es mithilfe der Radiokohlenstoffmethode auf die Zeit zwischen dem 8. und 5. Jahrhundert v. Chr. und damit auf die frühe Eisenzeit (Hallstattzeit). Bei den Ausgrabungen fand man auch Siedlungsreste und mehrere Gräber.

Die Stute, die etwa sechs bis sieben Jahre alt wurde, hatte eine Widerristhöhe von ungefähr 130 cm und reicht damit gerade einmal an heutige Ponys heran. Das zum Todeszeitpunkt hochträchtige Tier starb wohl durch einen Schlag auf den Kopf. Das spricht für eine gezielte Tötung, der genaue Grund ist unklar. Danach zog man ihm das Fell ab und zerteilte den Körper in größere Stücke, die anscheinend vergraben wurden, ohne das Fleisch abzulösen. In der Grube wurden auch einzelne Knochen eines zweiten Pferdes gefunden.

Pferde, die erstmals am Übergang zwischen Steinzeit und Bronzezeit domestiziert wurden, blieben jahrtausendelang die wertvollsten Nutztiere für den Menschen. Sie wurden in der Hallstattzeit vor allem zum Reiten, ob zum Transport oder im Krieg, eingesetzt. Als Zugtiere dienten sie nur für Wagen der Oberschicht, Lastenkarren dagegen zogen starke und weniger wertvolle Ochsen. Die prestigeträchtigen Pferdewägen wurden ihren Besitzern oft ins Jenseits mitgegeben und finden sich daher in einigen Grabhügeln der Epoche. Damals wurden Pferde bereits zahlreich in Kunstwerken und Schmuck dargestellt, was zeigt, wie präsent sie schon im Leben der Menschen waren.

Das Skelett wurde nach seiner Entdeckung restauriert und ist seitdem Teil unserer vorgeschichtlichen Ausstellung. Kommt gerne bei uns vorbei, um es Euch anzusehen!

Worms Stück für Stück - Pferd von Abenheim (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, V. Loga) 
Worms Stück für Stück - Pferd von Abenheim
(Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, V. Loga)

Worms Stück für Stück: Steinerner Löwe von der Johanneskirche

Dieser Löwe, der uns mit gefletschten Zähnen anschaut, bewachte die einstige Wormser Johanneskirche neben dem Dom. Er war eine von mehreren Figuren aus Sandstein, die wohl außen angebracht waren und Böses fernhalten sollten. Die steinernen Tiere, darunter am häufigsten Löwe und Sphinx, waren früher anscheinend bemalt und stammen etwa aus der Zeit um 1200

Der Löwe steht in Afrika und Vorderasien schon seit Jahrtausenden für Mut und Stärke. Im Christentum wurde er zusätzlich mit Christus in Verbindung gebracht. Über dem Steinlöwen befand sich eine Säule, für die man auf seinem Kopf noch den halbkreisförmigen Ansatzpunkt und das Dübelloch sehen kann. Mitten durch sein Gesicht geht ein später gekitteter Riss.

Die Johanneskirche diente als Pfarr- und Taufkirche für den nördlich angrenzenden Dom, den vor allem der Klerus für die Messe nutzte. Die von einem Friedhof umgebene Kirche war Johannes dem Täufer geweiht und als romanischer Zentralbau mit zehneckigem Grundriss angelegt. Sie war Teil eines heute größtenteils verschwundenen Gebäudeensembles um den Dom. Nachdem sie lange dem Verfall preisgegeben war, wurde sie 1807, wenige Jahre nach Auflösung des Wormser Bistums, zum Abbruch versteigert und komplett abgetragen. Während das Taufbecken der Kirche heute in der Nikolauskapelle des Doms steht, wurden viele Bauelemente verkauft und sind im Landesmuseum Mainz, im Dom- und Diözesanmuseum Mainz, im Kurpfälzischen Museum Heidelberg und im Liebighaus Frankfurt zu sehen.

Über Umwege kamen mehr als 90 Fragmente auch ins Museum im Andreasstift, wo sie nicht nur ausgestellt, sondern auch zur architektonischen Gestaltung des Gebäudes verwendet wurden. So könnt Ihr neben einer digitalen Rekonstruktion der ursprünglichen Johanneskirche heute noch weitere ihrer Überbleibsel „versteckt“ bei uns finden, wenn Ihr gut hinschaut.

Steinerner Löwe von der Johanneskirche (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga)
Steinerner Löwe von der Johanneskirche (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga)

Worms Stück für Stück: Greifenklaue mit Nibelungenbrücke

Diese Art von reich ausgestattetem Trinkhorn nennt man „Greifenklaue“. Im Mittelalter deutete man Rinderhörner wegen ihrer Form als die Fußkrallen von Greifen, mythischen Mischtieren aus Vogel und Löwe. Diese Klauen sollten angeblich Gift erkennen und unschädlich machen können. Daher fertigte man aus ihnen Trinkgefäße, die auf Greifenfüßen oder Greifenfiguren aus Metall standen.

Doch auch nachdem man längst wusste, dass man es hier nicht mit wirklichen Greifenklauen zu tun hat, wurden die Gefäße weiter hergestellt und gesammelt. Dieses wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Cornelius von Heyl, einem Wormser Lederindustriellen und Ehrenbürger der Stadt, gestiftet. Es erinnert an ein großes Bauprojekt der Zeit: Durch die Ernst-Ludwig-Brücke (heute Nibelungenbrücke) wurde 1900 erstmals das rechte Rheinufer dauerhaft zugänglich, ohne dass man Fähren oder hölzerne Schiffsbrücken benutzen musste.

Cornelius von Heyl, der sich an dem Bauvorhaben finanziell und organisatorisch beteiligt hatte, stiftete damals die Greifenklaue mit der Darstellung der Brücke an die Stadt, um die Fertigstellung des Projekts zu feiern. Sie steht auf Vogelfüßen und endet in einem Drachenkopf. Früher bekamen Ehrengäste der Stadt darin den bekannten Wormser Wein Liebfrauenmilch gereicht.

Greifenklaue Rheinbrücke Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Claudia Weissert 
Greifenklaue Rheinbrücke
Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Claudia Weissert

Worms Stück für Stück: Jungsteinzeitliches Prunkbeil

Dieses Steinbeil, das 1890 bei Westhofen gefunden wurde, stammt aus der Zeit um etwa 4500 bis 4000 v. Chr. Es besteht aus Jadeit, einem kristallinen Mineral, das unter hohem Druck beim Absinken kontinentaler Platten entsteht und deshalb so hart ist wie Feuerstein. Da man lange keine Vorkommen des Materials in Europa kannte, nahm man an, es müsse von steinzeitlichen Einwanderern aus Asien mitgebracht worden sein. Vor etwa 20 Jahren fand man jedoch Vorkommen in den westlichen italienischen Alpen. Der Abbau dort war mit größerem Aufwand verbunden. Zum einen sind diese Orte den Großteil des Jahres schneebedeckt und deshalb schwer zugänglich. Zum anderen ist Jadeit so hart, dass es selbst mit Stahlwerkzeugen kaum abzubauen ist. Die steinzeitlichen Menschen sprengten deshalb Stücke des Steins mit Feuer ab. Spuren dieser Methode wurden noch vor Ort gefunden.

Verarbeitet wurden die Stücke zunächst unten im Tal und gelangten dann in andere Gegenden, wo sie oft noch den lokalen Vorlieben entsprechend nachgeschliffen wurden. Die Verbreitung der Jadeitbeile zeigt einen damals schon weiträumigen Warenaustausch: Sie finden sich von Spanien bis zur Elbe und sogar in Großbritannien und Dänemark. Dagegen fehlen sie überall dort, wo zu dieser Zeit schon Kupferwerkzeuge üblich waren, wie in Osteuropa und auf dem Balkan. Das eigentlich recht unscheinbare Material erhält erst durch Politur den charakteristischen Grünton. Diese Farbe, zusammen mit der außergewöhnlichen Härte, machten es bei vielen Kulturen beliebt. Wegen des seltenen Werkstoffs, der aufwändigen Herstellung und dem Fehlen von Nutzungsspuren geht man davon aus, dass das Beil eher Prestige- als Gebrauchszwecken diente.

Dieses und zahlreiche weitere Werkzeuge aus vielen Jahrtausenden könnt Ihr in unserer Ausstellung finden.

Jungsteinzeitliches Prunkbeil ca. 4500-4000 v. Chr. (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Claudia Weissert) 
Jungsteinzeitliches Prunkbeil ca. 4500-4000 v. Chr.
(Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Claudia Weissert)

Worms Stück für Stück: Katzenschwanz aus dem Andreasstift

Es war ein grausiger Fund, der im Jahr 2010 bei den Restaurierungsarbeiten des Nordturms unserer Andreaskirche gemacht wurde: Ein Katzenschwanz aus dem Mittelalter steckte im Mörtel zwischen den Steinen. Hier handelt es sich wohl um ein sogenanntes „Bauopfer“, also die gezielte Deponierung eines Gegenstands oder Lebewesens in einem Gebäude, um Böses fernzuhalten oder Glück zu bringen. Dieser Brauch wurde seit der Jungsteinzeit immer wieder praktiziert, hier in Deutschland sogar noch bis ins 19. Jahrhundert.

Dabei mauerte man oft Katzen ein, teils sogar lebendig, da diese im Volksglauben mit Hexen und bösen Geistern verbunden wurden. Daher waren sie als tatsächliche Haustiere eher unüblich und wurden als Unglück bringend beargwöhnt – gehalten hat sich davon der Glaube, schwarze Katzen würden Pech bringen. Angeblich sollten sich Hexen sogar selbst in Katzen verwandeln können, man hoffte also vielleicht, dass eine vorbeikommende Hexe ihre tote „Kollegin“ bemerkte und sich vom Haus fernhielt. Auch vor Kirchen machte man nicht halt: Aus Goslar berichten die Gebrüder Grimm die Geschichte eines vom Teufel gerissenen Lochs in der Kirchenmauer, das nur wieder geschlossen werden konnte, indem man dort eine schwarze Katze einmauerte. Im Aargau soll sogar eine Katze von einem neugebauten Kirchturm geworfen worden sein. Hier in Worms war der Schwanz wohl sinnbildlich als Stellvertretung für die ganze Katze eingemauert worden.

Daneben finden sich auch noch andere Bauopfer in Häusern, wie Pflanzen oder Lebensmittel, die Füße von Ziegenböcken oder Särge mit Puppen – vielleicht als Stellvertreter für Menschenopfer. Am häufigsten sind aber Münzen belegt, die sich als Teil von Grundsteinlegungen sogar bis in unsere Zeit gehalten haben.

Mehr zur Geschichte des Andreasstifts findet ihr in unserer Dauerausstellung, wo ihr auch den Katzenschwanz und ein weiteres, moderneres „Bauopfer“ ansehen könnt.

Katzenschwanz aus dem Andreasstift (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Claudia Weissert) 
Katzenschwanz aus dem Andreasstift
(Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Claudia Weissert)

Worms Stück für Stück: Christlicher Becher aus Wiesoppenheim

Mit diesem Beitrag wollen wir euch frohe Ostern wünschen!
Deshalb haben wir die früheste Abbildung der Ostergeschichte ausgesucht, die wir hier in Worms haben: Ein Becher aus einem fränkischen Männergrab. Von dem ursprünglichen Holzbecher haben sich nur die bronzenen Beschläge und Reste der Vergoldung erhalten.

Die Bilder auf dem Becher zeigen unter anderem Adam und Eva im Garten Eden und ein Kreuz. Auf einem weiteren Feld sind Christus, Petrus und ein Hahn zu sehen. Die noch in Teilen erhaltene lateinische Inschrift zitiert das Neue Testament: „Amen, ich sage dir, ehe diese Nacht der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen“ (Lk 22,34). Diese Vorhersage von Jesus aus der Nacht vor seiner Kreuzigung am Karfreitag tritt ein, nachdem er gefangen genommen wurde: Der verängstigte Petrus beteuert nacheinander gegenüber drei Personen, er kenne Jesus nicht. Als der Hahn kräht, wird Petrus seine Schuld bewusst und er geht weinend weg.

Gefunden haben den Becher 1878 der Mitbegründer des Städtischen Museums Dr. Carl Koehl und der Kaplan Matthias Erz bei Worms-Wiesoppenheim. In dem Grab aus dem 6. Jahrhundert waren außerdem mehrere Waffen und ein gläserner sogenannter Rüsselbecher, der den Reichtum des Toten zeigt. Da die Bilder auf den Bronzeblechen schief und teilweise auch mittendrin abgeschnitten sind, nimmt man an, dass sie ursprünglich auf einem rechteckigen Kästchen angebracht waren. Hergestellt wurden sie wohl in einer Werkstatt im Norden des heutigen Frankreich.
Falls der Becher für den Verstorbenen eine religiöse Bedeutung hatte und nicht etwa als Kunstobjekt oder Beutegut ins Grab gegeben wurde, wäre er eines der frühesten Zeugnisse für Christen im Umland von Worms. 
Bewundern könnt ihr ihn in unserer fränkischen Abteilung.

Christlicher Becher (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga) 
Christlicher Becher (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga)
Christlicher Becher - Details (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga) 
Christlicher Becher - Details (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / Vinzenz Loga)
 

Worms Stück für Stück: Römisches Fluchtäfelchen aus Bad Kreuznach

Diesmal schauen wir uns ein besonderes Zeugnis römischer Religionsvorstellungen an: Ein Fluchtäfelchen. Die Römer glaubten, dass man an bestimmten Orten eine bessere Verbindung zur Unterwelt und ihren Geistern, den „Di Manes“ oder „Inferii“, hatte. Zu diesen Orten zählten Friedhöfe, Quellen, die ja aus der Erde kommen, oder Heiligtümer von Unterweltgöttern. Dort legte man kleine Tafeln ab, die meistens aus Blei bestanden und auf die man Botschaften für diese Unterweltgeister einritzte. Oft schrieb man die Namen der eigenen Feinde auf, die damit an die „Unterirdischen“ gebunden und von diesen heimgesucht werden sollten. Um die Tafeln wirksam zu machen, wurden sie vor der Deponierung gerollt oder geknickt und oft auch noch mit einem Nagel durchbohrt, um den Zauber zu „fixieren“ (daher heißen sie auf Latein auch „Defixiones“).

Das hier gezeigte Bleitäfelchen wurde 1885 zusammengerollt in einer Graburne auf einem römischen Gräberfeld bei Bad Kreuznach gefunden, wo auch noch weitere dieser Täfelchen entdeckt wurden. Es stammt aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und beginnt mit den Worten: „Die Namen meiner Feinde zu den Unterirdischen“. Danach werden 19 Namen aufgelistet, teils auch mit deren Berufen, wie Holzhändler, Metzger und Färber. Diese Person hatte offenbar viele Feinde, denen sie die Unterweltgeister „an den Hals wünschte“.

Die Anlässe für solche Verwünschungen waren vielfältig, wie wir von anderen Tafeln wissen: Eifersucht, rechtliche und politische Streitigkeiten, Geschäftsangelegenheiten und der Wunsch nach Bestrafung oder Ausgleich für erlittenen Schaden. Solche Zauber waren nach dem römischem Recht aber unter Strafe verboten. Deshalb musste man die Täfelchen im Geheimen ablegen und schrieb den eigenen Namen in der Regel nicht mit darauf.

In unserer Ausstellung warten dieses und noch weitere interessante Objekte zur römischen Religion auf euch!

Römisches Fluchtäfelchen (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Helena Haak) 
Römisches Fluchtäfelchen (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Helena Haak)
Römisches Fluchtäfelchen (Foto Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Helena Haak) 
Römisches Fluchtäfelchen (Foto Museum der Stadt Worms im Andreasstift, Helena Haak)
 

Worms Stück für Stück: Kaiserreliefs vom Wormser Haus zur Münze

Als zweiten Beitrag unserer Reihe zeigen wir euch die Bilder mehrerer Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Sie waren ursprünglich am Haus zur Münze angebracht, wo seit den 1490er Jahren die Prachtfassade des Wormser Rathauses entstand. Dieser Bau offenbarte ein neues Selbstbewusstsein des Stadtrates von Worms gegenüber den Bischöfen, die lange die Abhaltung der Ratssitzungen in ihrem Palast gefordert und die Nutzung eines eigenen Rathauses unterdrückt hatten. Die Wormser nannten das Haus zur Münze selbstbewusst das „schönste Haus der Welt“. Leider wurde es – wie auch die gesamte Stadt – durch die Truppen Ludwigs XIV. im Jahr 1689 fast völlig zerstört.

Neben einer großen Uhr und Bildern aus der Nibelungensage befanden sich an der Fassade auch ein Text über die Freiheit der Stadt, ein Lobgedicht auf den Kaiser und die später hinzugefügten steinernen Bilder von mehreren Kaisern der Habsburger-Dynastie.

Hier gezeigt sind Ferdinand I. und vermutlich Karl V. in vollem Ornat, mit der Krone auf dem Kopf, dem Schwert, das für die weltliche Macht des Kaisers stand, und dem Reichsapfel, dessen Kugelform die Macht über die Erde symbolisierte.
Das dritte Bild stellt Kaiser Friedrich III. dar. Der Kaiser war für den Stadtrat von großer Bedeutung, weil er als Unterstützer und Garant der städtischen Selbstbehauptung gegenüber dem Bischof angesehen wurde. In der Tat war Worms vor allem für die habsburgischen Kaiser dieser Zeit besonders wichtig, denn sie hielten hier gleich zwei bedeutende Reichstage ab: 1495, als eine bedeutende Reichsreform beschlossen wurde, und 1521, als sich Martin Luther vor Karl V. verantworten musste.

Die letzten Überreste vom Haus zur Münze und eine filmische Rekonstruktion davon, wie es damals ausgesehen hat, könnt ihr in unserer Ausstellung sehen.

Portraits zweier Kaiser: Links vermutl. Karl V., rechts Ferdinand I. (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Portraits zweier Kaiser: Links vermutl. Karl V., rechts Ferdinand I. (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
Kaiserportrait: Friedrich III. (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Kaiserportrait: Friedrich III. (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
 

Worms Stück für Stück: „Mondhörner“ aus der Bronzezeit

Januar 2024: In unserer neuen Reihe „Worms Stück für Stück“ – soll jeden Monat ein Objekt aus unserem Museum im Andreasstift vorgestellt werden, das eine besondere Geschichte zu erzählen hat.

In unserem ersten Beitrag haben wir es mit einer Gruppe äußerst mysteriöser Gegenstände zu tun: Die sogenannten "Mondhörner" sind Tonobjekte, die vor allem aus der späten Bronzezeit (ca. 1300-800 v. Chr.) stammen. Sie enden oben in zwei „Hörnern“, weisen eine große Vielfalt von Formen auf und wurden an vielen Orten in Mitteleuropa, beispielsweise auch in Worms und Rheinhessen, gefunden. Ihren Namen haben sie von ihrer Form, die oft an eine Mondsichel erinnert. Ihr genauer Verwendungszweck ist aber unklar.
Manche deuten sie als Dachverzierung von Häusern. Man hat auf ihnen aber weder stärkere Verwitterung gefunden noch eine Möglichkeit, sie dort zu befestigen. Weil man sie oft in der Nähe von Feuerstellen und manchmal mit Brandspuren findet, sehen andere sie dagegen als Feuerböcke an, auf denen man brennendes Holz oder Bratspieße ablegte. Dazu sind sie allerdings zu zerbrechlich und nicht standfest genug. Auch als Nackenstützen hat man die Mondhörner schon gedeutet, viele sind dazu aber zu klein und zu unbequem. In bestimmten Abständen eingetiefte Löcher wurden sogar schon benutzt, um zu beweisen, dass die Menschen der Bronzezeit sie als astronomische Hilfsmittel zur Himmelsbeobachtung einsetzten. Diese Löcher finden sich aber nur auf einigen wenigen Hörnern. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass sie rituelle Objekte oder sogar eine Art Hausaltäre waren, vielleicht für ein mit dem Mond und Rinderhörnern assoziiertes Schutzwesen des Hauses. Vermutlich wird sich ihr genauer Zweck aber nie sicher klären lassen.

Kommt gerne in unsere Ausstellung, um euch die Mondhörner selbst anzusehen und über ihre Verwendung mitzurätseln!

Mondhörner aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Mondhörner aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga) 
Mondhorn aus der Sammlung (Foto: Museum der Stadt Worms im Andreasstift / V. Loga)
 

Worms Stück für Stück: Goldgriffspatha von Flonheim

Beim Neubau der Kirche in Flonheim entdeckte man zwischen 1883 und 1885 neun fränkische Gräber. Eines davon wurde in großer Tiefe gefunden. Das Skelett des Mannes zeugte von großem und stämmigem Körperbau, die Beigaben wiesen ihn als Krieger und Anführer aus: Ein Speer und ein Ango (ein Wurfspieß), eine Franziska (eine Wurfaxt) und der Rest eines Schildes. Eine weitere große Lanzenspitze gehörte wohl zu einer Jagdwaffe, einer sogenannten „Saufeder“. Auch Alltagsgegenstände wie eine Schere und ein Eimer wurden dem Toten mitgegeben.

Die kostbarste Beigabe war aber das Langschwert, auch Spatha genannt. Sein Griff und die heute verrottete Holzscheide waren mit Gold, Silber und Almandin, einem roten Edelstein, verziert. Das Schwert wurde offenbar längere Zeit gebraucht und irgendwann ausgebessert. Danach war es wohl nicht mehr stabil genug zum Kampf, sodass es vermutlich vor allem als Schauwaffe getragen wurde. In der Schlacht trug sein Besitzer womöglich ein kleineres Schwert, von dem durch Verrostung nur ein kleiner Rest übrigblieb. Reich verziert waren ebenfalls die Gürtelschnalle aus Meerschaum und die mit Gold und Almandinen belegten Reste einer Tasche.

Das Schwert hat große Ähnlichkeit mit dem aus dem Grab des 482 n. Chr. gestorbenen Frankenkönigs Childerich. Er und sein Sohn Chlodwig brachten viele neue Gebiete ins Fränkische Reich, darunter auch das Gebiet des heutigen Rheinhessen. Zur Verwaltung des königlichen Besitzes setzten sie fränkische und nichtfränkische Gefolgsleute ein, aus deren Herrschaftszentren sich viele heutige Dörfer und Städte entwickelten: Besonders die Endung von Ortsnamen auf „-heim“ deutet auf eine solche fränkische Gründung hin, die oft nach dem dort Herrschenden benannt wurde. Vielleicht war der um 500 n. Chr. Verstorbene aus dem Grab jener „Flono“, der Flonheim seinen Namen gab. Sein Grab, zu dem sich in den folgenden Jahrzehnten weitere gesellten, gehörte offenbar zur ersten Generation der lokalen Herrscherfamilie. Möglicherweise wurde das Grab als Teil einer Art Krypta in die spätere Kirche einbezogen – es enthält aber wie der Grabhügel des wohl noch „heidnischen“ Childerich noch keine Hinweise auf eine christliche Bestattung.

Das Schwert, eines der prächtigsten Zeugnisse früher fränkischer Grabkultur, ist in der Fränkischen Abteilung im 2. OG des Museums im Andreasstift ausgestellt.

Worms Stück für Stück: Goldgriffspatha von Flonheim (Bild: Museum Andreasstift, Claudia Weissert)
Worms Stück für Stück: Goldgriffspatha von Flonheim (Bild: Museum Andreasstift, Claudia Weissert)
Worms Stück für Stück: Goldgriffspatha von Flonheim (Bild: Museum Andreasstift, Claudia Weissert)
Worms Stück für Stück: Goldgriffspatha von Flonheim (Bild: Museum Andreasstift, Claudia Weissert)

Das Kulturmagazin der Metropolregion Rhein-Neckar

Die neueste Ausgabe des Kulturmagazins der Metropolregion Rhein-Neckar finden Sie hier.

Museum Andreasstift auf Facebook
Museum Andreasstift auf Instagram
 

Kontakt

Link zur Homepage der Stadt Worms

Museum der Stadt Worms im Andreasstift

Weckerlingplatz 7
67547 Worms

Telefon: 

Museumskasse (Di-So 11-17 Uhr): (0 62 41) 8 53 - 41 05 

Museumspädagogik: (06241) 853 - 4120

Verwaltung (Mo–Fr 8-12 Uhr): (0 62 41)  8 53 – 41 01 / - 41 02

msmwrmsd 

Impressum
Datenschutz
Barrierefreiheit
Sitemap

 
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzinformationen